Für uns ist das Good Morning Vietnam zugegeben keine Unbekannte. Allerdings waren wir bisher nur Mittags zu Gast – wenn zur regulären Karte auch spezielle Mittags Menüs in drei Größen angeboten werden: Klein (7,90 EUR), Mittel (9,90 EUR) , Manly Men( 11,90 EUR). Auf Grund unserer positiven Erfahrungen hier war klar, dass wir im gar nicht vietnamesisch sondern eher europäisch modernem Ambiente auch einmal dinnieren wollen. Gesagt getan und so fanden wir uns diesmal auf Grund eines Auslandsaufenthalts (irgendwer muss ja das Geld fürs Essen gehen verdienen) in Minimalstbesetzung = Ein Manly Man samt besserer Hälfte zu einem semi romantischen Candlelight Dinner ein. So romantisch das halt ist, wenn Frau aus Nanonaned-Gründen nicht wirklich entscheiden darf, was sie isst, weil Mann muss ja einen Blogpost fürs werte Publikum verfassen. Und so nehmen wir es als bewusste Entscheidung des Redakteurs hin, dass Frau sich als Vorspeise den in Bananenblatt gedämpften Reiskuchen mit Garnelen & Kavier bestellt, während Mann sich für Wachtel im knusprigen Süßkartoffelnetz aufopfert. Als Hauptgang freuen wir uns auf das Seeteufel Filet mit Ingwer, und Limetten so wie die Chill Out Ente mit Chili und Tamarinde.

Doch bevor wir uns ans Eingemachte wagen können, werden wir mit einem Gruß aus der Küche empfangen – in unserem Fall ein Snow-Mushroom Salad mit Hühnchen. Kennen wir so noch nicht, besonders der Pilz hat eine interessante Konsistenz die aber sehr gut zum Salat passt. Gibt es etwas schöneres, als erste gute Eindrücke?
Reiskuchen & Wachtel
Nicht lange nach dem Gruß der Küche finden dann auch schon die Vorspeisen den Weg an unseren Tisch. Beginnend beim Reiskuchen, der wunderschön angerichtet auf den Reisblättern, in denen er vermutlich gedämpft wurde, von Kaviar und Garnele gekrönt ist. Geschmacklich dann überraschenderweise nicht so fischig, wie man es vielleicht vom Japaner gewohnt ist sondern eher nobel zurückhaltend – vielleicht bilden wir es uns auch nur ein, aber selbst die Bananenblätter tragen dezent zur Entfaltung des Geschmacks bei und sind damit nicht bloße Deko.

Genauso hübsch präsentiert man uns im Good Morning Vietnam die Wachtel im Kartoffelnetz – welche als Nest aufgeschichtet von Wachtelfleisch garniert zwei kleine Wachteleier beherbergt. Vielleicht sollten wir an dieser Stelle erwähnen, dass man zwar gefragt wird, ob man Messer & Gabel zum Essen verwenden möchte – wir aus übertriebenen Stolz heraus trotz unserer zugegeben eingeschränkten Fähigkeit, mit Stäbchen zu essen, darauf verzichtet haben. Wieso das gerade jetzt für euch interessant ist? Na weil sich die Nester hervorragend eignen, um von den Stäbchen aufgefädelt zu werden. Ganz authentisch aben wir uns dann beim Abbeißen tief über den Teller gebeugt, damit auch ja nichts daneben geht. Und hätten vermutlich den ganzen Abend mit der Vorspeise verbracht, hätte unsere bessere Hälfte nicht die einzelnen Stifte des Nests gekonnt zwischen ihre Stäbchen geklemmt, und den Manly Man damit gefüttert. Romantik pur! Geschmacklich gibt es hier übrigens nichts auszusetzen, nicht mal bei der Größe, außer man möchte sich beschweren, dass Wachteln so verdammt klein sind. Tun wir aber nicht.

Hauptspeisen
Vermutlich hat die Belegschaft dann Mitleid mit uns gehabt, denn zum Hauptgang bekamen wir ungefragt klassisch Messer und Gabel gereicht. Beginnend mit dem Seeteufel, dieser wird kunstvoll auf einem Häubchen Reis, umzingelt von bösem Gemüse serviert. Geschmacklich ist das Filet wunderbar zart und ohne Gräten, und das Gemüse in Fischsauce von einer aufschaukelnden Schärfe – soll heißen, je mehr ihr davon esst, desto mehr brennt euch der Mund.

Ansonsten fällt uns nicht viel dazu ein, außer noch einmal lobend zu erwähnen, dass der Teufel im Good Morning Vietnam auch im Detail versteckt ist. Schön angerichtet und keinesfalls als Ablenkung für mickrige Portionen gedacht erleben wir hier eine Interpretation der vietnamesischen Küche, die unseren westlichen Tendenzen würdig Rechnung trägt. Selbst wenn man nicht gerade ein Fan der asiatischen Küche ist, wird man an diesem Gericht vermutlich wenig aussetzen können.
Genauso geht es dann bei der Chill Out Ente weiter. Die chillt nämlich im wahrsten Sinne des Wortes. In einer Hängematte. Kein Scheiß. Diese besteht aus zwei Manly Bambus Sprossen als Träger und einer Matte aus Reispapier, in der sich das Entenfilet gebettet auf ein wenig Gemüse von seiner besten (=rosa) Seite zeigt. Da die Matte alleine nicht satt macht, gibt es außerdem links und rechts davon noch mehr vom Filet auf Gemüse. Damit die Kohlenhydrate auf keinen Fall zu kurz kommen, gibt es als Beilage zudem eine Schüssel Reis.

Beim Servieren wird man(n) übrigens darauf hingewiesen, dass die Hängematte als Ganzes verspeist werden kann. Challenge accepted. Während die Portion an sich auf den ersten Blick etwas mager wirkt, stellt man beim Verzehr spätestens bei der Hängematte fest, dass die Menge selbst für Manly Men Verhältnisse so ausreichend ist, dass man zumindest nicht in Versuchung ist, den Abend mit einer Nutella Pizza abzurunden. Geschmacklich ist das Entenfilet wunderbar zart und selbst das Gemüse mit einer dezenten aber dominanten Koriandernote auf den Punkt zubereitet, schön warm, nicht zu weich, gerade noch knackig frisch und in einer exotischen Mischung, die einen nicht vergessen lässt, dass man gerade vietnamesisch dinniert. Nur an das Chili können wir uns nicht wirklich erinnern, wer es scharf mag, ist mit dem Seeteufelfilet besser bedient. Oder man hilft mit den Tischutensilien (die scharfe rote Paste fehlt auch im Good Morning Vietnam nicht) nach.
Bewertung Good Morning Vietnam
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Erreichbarkeit - 8/10
8/10
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Ambiente - 8/10
8/10
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Angebotsvielfalt - 9/10
9/10
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Freundlichkeit - 9/10
9/10
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Schnelligkeit - 8/10
8/10
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Kompetenz - 9/10
9/10
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Menge - 8/10
8/10
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Zubereitung - 9/10
9/10
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Geschmack - 9/10
9/10
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Preisleistung - 8/10
8/10
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Sexiness - 6/10
6/10
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Hundefreundlichkeit - 5/10
5/10
Fazit
Man muss schon sagen, die (Preis-)Leistung im Good Morning Vietnam ist schon außergewöhnlich hoch. Zwar bereitet einem die Auswahl am Abend ohne Erfahrung etwas Mühe (die Gerichte sind getrennt nach Menüvarianten, die mit Vorspeise, Zwischengängen, Hauptspeise und Nachspeise zwischen 20 und 40 EUR schwanken), es kann jedoch jeder Menübestandteil separat bestellt werden. Wem die Preise der Hauptspeisen (bis zu 22 EUR) zu happig ist, der findet in der Wochenkarte wechselnde Spezialitäten zu einem Preis um die 15 EUR. Unterm Strich sollten da keine Wünsche offen bleiben. Wem das immer noch zu teuer ist, der möge dann bitte zu Mittag vorbei schauen, wo mehrgängige Menüs verschiedener Größe zwischen 8 und 12 EUR angeboten werden. Einziges Manko sind die Portionsgrößen der Hauptspeise - die machen vielleicht Normalsterbliche, nicht aber Manly Men satt. Aber dafür hat Gott ja die Vor- und Nachspeise erfunden. Geschmacklich brilliert das Good Morning Vietnam dann wie wir es sonst selten kennen. Ausgefallene (und vielleicht nicht ganz so authentische) Rezepte mit westlichen Einflüssen, aber ohne die vietnamesische Identität zu verlieren, kunstvoll zubereitet und genauso aufgetischt. Ein echter Spaß, der zu weiteren Besuchen einlädt.
Restaurant Eckdaten
Adresse:
Sechsschimmelgasse 16, 1090 Wien
Öffnungszeiten:
Mo – Sa
11:30 – 15:00
17:30 – 23:00
Kontakt:
Web: https://www.goodmorningvietnam.at/
Facebook: https://www.facebook.com/goodmorningvietnam1090/?rf=422212251188151
Tel: +43 -1- 307 31 61
Mail: [email protected]






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