Alle guten Dinge sind drei
Der Vorteil von Tinder ist, dass man(n) gar nicht in Gelegenheit kommt, mit solchen Witzen den ersten Eindruck zu versauen. Und wenn ihr dann mal doch einen Treffer landet, müsstet ihr schon rhetorische Masterminds sein, um mit dem Einleitungswitz ein Statement als allererste Nachricht zu setzen. Wer hätte gedacht, dass das Chestnut selbst euch dabei hilft, diese Brücke zu legen. Denn irgendwann kommt in jeder (Tinder?) Bekanntschaft der point of no return. Die Rede ist vom dritten Date. Hier werden die Weichen in Richtung Freundschaft mit Extras oder „wer schmust ist fix zam“ gestellt. Auf diesem sozialen Drahtseilakt agiert die Location bekanntlich als erfolgskritischer Nebendarsteller. Schon mal zum dritten Date in einem Mc Donalds verabredet? Eben.

Neben der Liebe zur Nuss in Form der Komposition der Speisekarte hat man im Chestnut auch dem Ambiente sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt. Tischaufteilung, Belichtung und Dekoelemente positionieren das Restaurant dementsprechend in entschleunigter Atmosphäre, die man ideal nach der Arbeit oder eben mit einem Date zelebrieren kann. Sehr zum Missfallen der einzig Anwesenden (besseren Hälfte), die dieses Szenario auf Grund der Umstände nicht ganz so genießen konnte. Auf Grund der niedrigen Kampfstärke fällt das getestete Spektrum leider geringer aus, insofern fließen heute das Wagyu Beef Tartar, das Red Bun Pulled Beef Brisket und der Black Bun Chicken Burger in die Wertung ein.
Wagyu Beef Tartar
Schon der Preis von 15 EUR ist in unseren Augen eine klare Ansage in Richtung Preisleistung. Auch die Präsentation weckt den Helden in euch. Umzingelt von feindlichem Rucola mit einer angenehm säuerlichen Marinade als Kontrast und einer verlockenden Duftnote ist es euer oberstes Ziel, das hervorragend scharf gewürzte Wagyu Tartar von der Belagerung zu erlösen und mit Röstzwiebeltopping zu vernaschen.

Doch haltet ein, man wird euch zuvor mit einem Körbchen Gebäck, das als Gedeck getarnt ist versuchen, von eurer Mission abzulenken. Soll heißen sobald ihr besagtes Körbchen auf eurem Tisch findet, wartet bis das Tartar serviert wird, sonst nehmt ihr selbiges als Low Carb Variante zu euch. Als Brot bekommt man im Chestnut übrigens keinen Toast, sondern ein Ciabatta serviert. Wir geben zu, wir sind ein bisschen enttäuscht, hatten wir doch eine Form von Nussbrot erwartet. In Summe ist das Tartar allerdings jeden Cent wert und wir sprechen eine unbedingte Empfehlung aus. Wer im Chestnut ist und nicht zumindest das Wagyu probiert, verliert jedes Recht, die Freundschaft mit Extras mit oben genannten Witz einzuleiten.
Black Bun Chicken Burger
Eigentlich stehen wir nicht so auf Chicken Burger vulgo Schnitzelsemmeln beim Restaurantbesuch. Das versprochene Hühnchen in Erdnuss-Sauce in Kombination mit dem hausgemachten, schwarzen Bun hat uns aber neugierig gemacht.

Geschmacklich merkt man dem Black Bun bekanntlich seine Farbe nicht an, und auch sonst ist es nicht unbedingt eines der extravaganteren, es macht aber seinen Job. Beim Hühnchen hält das Chestnut, was es verspricht, neben dem Geflügel wird man von einem angenehmen Erdnussgeschmack begleitet, welche wiederum durch die Schärfe des eingelegten Gemüse sehr gut unterstrichen wird. Fazit: kann man mal probieren und ist mit 11,50 EUR gerade in der Innenstadt nicht gerade teuer.
Red Bun Pulled Beef Brisket
Um gerade mal 12,50 EUR findet 12 Stunden gegarte Rinderbrust mit karamellisierten Zwiebel, Käse und dem vom Chicken Burger bekannten eingelegten Gemüse den Weg zu eurem Tisch. Diesmal nicht in einem schwarz, sondern rot gefärbten, ebenfalls hausgemachten Bun.

Bewerten wir den Geschmack und beginnen wieder beim Bun, so ist es das selbe wie beim Chicken Burger in lila, nein rot. Das Brisket dagegen ist sehr zart und weich und für Beefjunkies eine sehr interessante Alternative zu klassischeren Burgervarianten, der wir ein besonderes Lob aussprechen möchten. Schade, dass die Toppings dazu eher untergehen, ein bisschen mehr Fantasie hätten wir uns doch gewünscht. Das selbe eingelegte Gemüse wie beim Chicken Burger wirkt pragmatisch, besser fänden wir eine Chestnut-Interpretation des zum BBQ passenden Coleslaw, ebenso haben wir eine rauchige Note vermisst, die ein sehr gutes Brisket auszeichnet. So bleibt uns zu sagen: Idee 9/10, Ausführung 7/10.
Beide Burger wurden übrigens mit einer Schüssel Kartoffelspalten und unspektakulären Dips (Sweet Chili und Ketchup) serviert. Für den Chickenburger wäre ein Erdnuss- und beim Brisket Burger ein BBQ-Dip naheliegender.
Bewertung Chestnut*
-
Erreichbarkeit - 8/10
8/10
-
Ambiente - 9/10
9/10
-
Angebotsvielfalt - 8/10
8/10
-
Freundlichkeit - 9/10
9/10
-
Schnelligkeit - 8/10
8/10
-
Kompetenz - 8/10
8/10
-
Menge - 7/10
7/10
-
Zubereitung - 7/10
7/10
-
Geschmack - 7/10
7/10
-
Preisleistung - 8/10
8/10
-
Sexiness - 6/10
6/10
Fazit
Das Tartar ist eines der besseren, die wir in letzter Zeit genießen durften, und damit unbedingt zu empfehlen. Die Burger überzeugen uns trotz erfrischendem Konzepts nicht genug, um uns ähnlich zu begeistern, das ist zur Abwechslung mal aber auch Vernachlässigbar. Denn der Rest der Karte bietet mehr als genug an spannenden und nicht alltäglichen Kreationen aus der Küche, die wir nur zu gerne bei zukünftigen Besuchen ausprobieren werden. Zum Beispiel das Hirsch Karee mit Kürbispüree, Sternanis und Birne in einer Sauce aus fünf Gewürzen.
*no Charlotte today
Restaurant Eckdaten
Adresse: Neuer Markt 8A, 1010 Wien
Öffnungszeiten: Mo- So 11:00 bis 02:00 Uhr
Kontakt:
Tel: +43 664 473 07 07
Mail: [email protected]
Web: www.chestnutvienna.com






Ein Kommentar hinzufügen